
Ich fand ihn und ich konzentrierte mich darauf, ihn bloß nicht aus den Augen zu verlieren. Ich hielt
die Schleppe meines Kleides fest in die Hand und rannte los, so schnell ich konnte.
„Hey! Antonio! Antonio, bitte!“
Ich bog um die Ecke und verlor einen Schuh, am Ende des Korridors verlor ich den zweiten.
„Bitte! Warte!“
Er verließ die Felltrix University of Arts and Materials und rannte auf den Cherokee National Forest
zu. Der Ort, der alles veränderte. Ich stoß einen heftigen Schrei aus:
„Du kannst dich nicht ewig vor mir verstecken! Ich weiß was du bist!“
Wut entbrannt und orientierungslos rannte ich ihm hinterher. Anfangs war ich ihm dicht auf der
Spur. Mein Puls stieg ins Unermessliche und ich keuchte schwer. Lange würde ich nicht mehr
rennen können.
„Verdammt, Antonio, was soll das alles?! Sag mir“, ich rang nach Luft, „dass alles was ich
gesehen habe eine Lüge ist!“
Ich schrie. Ich schrie völlig verzweifelt. Der Wald antwortete mir nicht zurück, stattdessen hallte
meine Stimme zwischen den Bäumen und das einzige was ich hörte waren seine Schritte, die vor
mir flüchteten. Ich rannte jetzt langsamer. Ich war am Ende.
„Sag mir, dass alles was ich gefühlt habe falsch war!“
Erneut hallten meine Schreie umher.
Dann hörte ich es. Kleidung die riss, Schritte die schwerer wurden und sich schneller von mir fort
bewegten. Er hatte sich verwandelt. Jetzt konnte ich ihn nicht mehr einholen. Es ist zu spät. Ich hielt
an und fiel auf die Knie. Es sammelten sich Tränen in meinen Augen. Ich tappte auf allen Vieren
umher. Wo bin ich? Ich kann nichts sehen. Meine Tränen erschwerten mir die Sicht. Verzweifelt
krabbelte ich umher und redete mit mir selbst.
„Bitte, bitte rede mit mir“, flehte ich ihn verletzend an und schluchzte.
Meine Hände fanden
auf dem Boden seine zerrissene Kleidung, als dann wieder Wut in mir aufkam. Es waren keine
Schreie mehr, es war reines Gekreische:
„Sag mir, dass alles was zwischen uns war nichts weiter als eine Illusion war!“
Ich hörte nicht auf zu schreien, weil ich dachte er wäre neben mir und würde sich das alles
reinziehen, was ich zu sagen hatte. Neben mir? Ich hielt den Atem an. Mich überkam ein Schauer.
Vorsichtig stand ich auf. Ich horchte, ob ich ihn hören würde, aber es war totenstill. Inmitten des
gewaltigen Waldes, ohne Orientierung und ohne Handy realisierte ich, wie tief ich hinein gerannt
war. Ein unheimlicher Wald im Schatten der Dunkelheit. Merkwürdige Kreaturen bewohnten ihn,
unbekannte Felder waren von ihnen besetzt. Mein Mund war trocken und meine Hände zitterten. Er
kann dich hier nicht alleine gelassen haben. Er würde so etwas nie tun.
Ich wartete, aber es kam niemand. Nicht einmal er. Egal in welcher Gestalt. Aber es kam niemand.
Mit weit aufgerissenen Augen und stotternder Stimme flüsterte ich:
„Antonio?“